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Diskurs frühkindliche kulturelle Bildung

Santé Culturelle – kulturelle Bildung auf Französisch

Frühkindliche kulturelle Bildung europaweit – die Stiftung Genshagen hat gemeinsam mit dem Netzwerk Frühkindliche Kulturelle Bildung eine Online-Veranstaltungsreihe zur Stärkung des europäischen Fachaustauschs ins Leben gerufen. Diesmal im Gespräch: Sophie Marinopoulos, Psychologin und Spezialistin für frühkindliche Entwicklung, und Aurélie Lesous, zuständig für die kulturelle Bildung in der frühen Kindheit im französischen Kulturministerium.

Kulturelle Bildung stärkt und bereichert schon die frühe Entwicklung und sollte daher zum Alltag eines jeden Kindes gehören.  

Auch in Frankreich wird die Relevanz der frühkindlichen kulturellen Bildung zunehmend gewürdigt und seit einigen Jahren vom französischen Kulturministerium unterstützt.  

Aurélie Lesous, Beauftragte für Kulturelle Bildung, Familie und frühe Kindheit im Kulturministerium, unterstrich am 16. März 2021 zum Auftakt der Online-Gesprächsreihe zur Stärkung des europäischen Fachaustauschs, damit werde an eine bestehende Praxis angeknüpft. Denn der Impuls für eine frühkindliche ästhetische Bildung sei von Seiten der Künstlerinnen und Künstler schon vor Jahrzehnten gesetzt worden. 

Kulturelle Gesundheit  
Sophie Marinopoulos, prominente Expertin für die Bereiche frühe Kindheit und Familie, hat 2019 im Auftrag des französischen Kultusministeriums den vielbeachteten Bericht „Eine nationale Strategie für die Santé Culturelle (Kulturelle Gesundheit)“ verfasst (die englische Übersetzung finden Sie hier). 

Darin wird der kulturellen Bildung ein zentraler Platz in der kindlichen Entwicklung zugewiesen und sie als Querschnittsaufgabe der Bereiche Soziales, Gesundheit, Familie, Bildung und Ökologie beschrieben. 

Entgegen einer kulturellen Mangelversorgung 
Sophie Marinopoulos betonte im Gepräch mit Aurélie Lesous, sie wolle mit ihrem Konzept der „Santé Culturelle“ einer zunehmenden „kulturellen Mangelversorgung“ entgegenwirken.  

Ihren Bericht versteht sie deshalb als „Alarmglocke“: Der gesellschaftliche Druck auf die Eltern, die fehlende qualitative Zeit füreinander und die oftmals von den Medien absorbierte Aufmerksamkeit führe zu einer „Verarmung der menschlichen Beziehungen“.  

Sie setzt deshalb die Eltern-Kind-Beziehung ins Zentrum ihrer Ausführungen: „Kultur heißt, durch Begegnung berührt zu werden“, wofür sie den Künstlerinnen und Künstlern eine tragende Rolle zuweist. Durch das Wecken der Sinne über Worte, Bilder und Bewegung ermöglichen sie wahre, zutiefst menschliche Begegnung und Interaktion.  

Sophie Marinopoulos appelliert deshalb, im Sinne eines gesamtgesellschaftlichen Auftrags in die Beziehung von Kleinkind und Eltern zu investieren. 

Ein Impuls für Deutschland 
Nach dem Konzept der Santé Culturelle kommt der kulturellen Bildung also eine gesellschaftspolitische Aufgabe zu – ein wichtiger Impuls auch für Deutschland, wo die Idee der „Kulturellen Gesundheit“ (noch) nicht verbreitet ist.  

Das Gespräch zum Nachhören: Eine untertitelte Aufnahme des Zoom-Gesprächs mit Sophie Marinopoulos und Aurélie Lesous vom 16.03.2021 steht auf dem YouTube Kanal der Stiftung Genshagen zur Verfügung – bitte hier klicken.