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Diskurs frühkindliche kulturelle Bildung

Wieso, weshalb, warum – wer nicht initiiert, verändert nichts

Gespräch Teil III: Das Netzwerk FKB – und seine Farben

Vor über einem Jahr hat das Netzwerk Frühkindliche Kulturelle Bildung seine Arbeit aufgenommen. Und wir finden, es ist Zeit für ein Gespräch: Warum wurde das Netzwerk gegründet? Was ist bisher geschehen? Wie geht es weiter und warum eigentlich frühkindliche kulturelle Bildung?

Ende April „trafen“ sich die Initiator:innen des Netzwerks zu einem schriftlichen Interview. Jede:r am eigenen Computer, zu der Zeit, die am besten passte. Und trotzdem: Es entwickelte sich ein echtes Gespräch. Lesen Sie hier den ganzen Text – ungekürzt und mit allen Kommentaren, auch denen, die eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren.

Wieso, weshalb, warum - wer nichts initiiert, der verändert nichts
Foto: pixabay

Die Gesprächspartner:innen stellen sich vor – bitte hier klicken.

Mal eine andere Frage: Wenn ihr dem Netzwerk eine Farbe zuordnen würdet – welche Farbe hätte es und warum?

AT: Bei der Gründung des Netzwerkes im Februar 2020 stellten wir fest, dass es einige bunte Flecken auf der Netzwerkkarte gibt, meist an den Stellen, an denen große Städte existieren mit vielen Kulturinstitutionen, vielen Kitas, Verwaltung, einer funktionierenden dichten Infrastruktur; Berlin, Hamburg, Frankfurt/Main, München, Dortmund, Trier usw.

Allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt die “weißen Flecken”.  Noch sind wir zwar nicht auf dem “flachen Land” angekommen, aber wir werden langsam bunter.

Off the record: JT zu AT: Es stimmt, wir haben weiße Flecken. Aber uns gibt es doch erst ein Jahr. Wir sind schon echt viele Netzwerkende und das Netzwerk ist schnell gewachsen. Deshalb sollten wir auch erwähnen, dass das Programmbüro hart an den blinden Flecken arbeitet.

Off the record: AT antwortet JT: Ich wollte durch die realistische Benennung der Situation deutlich machen, was in dieser historisch kurzen Zeit bereits erreicht worden ist. Denn daran ist eben auch abzulesen, wie groß die Leistung des Programmbüros ist. Dieses Spannungsfeld zwischen der Situation in der Fläche und in den großen Städten ist aber zugleich ein Fingerzeig für die Richtung, in die wir zukünftig noch stärker denken müssen.

Hier zeigt sich ja eine strukturelle Eigenheit: Wenn von kultureller Bildung gesprochen wird, wird meist die organisierte, institutionalisierte und an Hochkultur orientierte Arbeit gemeint. Es ist dann die Rede von Museen und Theatern, Stiftungen und Programmen.

Logischerweise kommen dann erst mal Menschen ins Spiel, die in solchen Institutionen und Organisationen arbeiten. Doch es gibt überall frühkindliche kulturelle Bildung, natürlich auch in einem Dorf ohne Museum. Mit der Netzwerk-Struktur haben wir die Chance, offen zu sein für unterschiedlichste Professionen, für Ehrenamtliche, für Vereine, natürlich auch für Museen und Theater.

JT:  Weil gerade Ostern war und es auch bunte Ostereier gibt und in der Kunst sowieso fast alles erlaubt ist, wähle ich bunt. Ein Netzwerk aus 200 Menschen nur einer Farbe zuzuordnen, wäre ein Widerspruch in sich. 😊 Wir sind bunt und werden zunehmend bunter.

AT: Ich bin auch ganz unbedingt für “bunt”. Nicht nur wegen Ostern, es steht uns auch gut zu Gesicht, dass wir bunt sind, und wir sollten noch viel bunter werden …

WK: Bei der Frage nach der Farbe muss ich an das Folgeangebot von Weltentdecker und Farbmischer denken, dass gemeinsam mit dem Marta Herford Museum entwickelt wurde: “Leere” – vom Nichts zum Alles! Ein weißes Blatt bietet viel Raum für Kreativität, Fantasie und Freiheit der Gestaltung. So sehe ich unser Netzwerk. Natürlich hinkt der Vergleich ein wenig, weil wir von Anfang auch schon bunt waren. Aber trotzdem gefällt mir der Gedanke, dass wir ganz viel “leeren” Raum haben, den wir gemeinsam gestalten, verändern und auch bunter machen können.

Im Februar hat das Netzwerk FKB seinen ersten Geburtstag gefeiert. Wenn Ihr zurückblickt – wie hat sich das Netzwerk entwickelt? Oder um noch mal bei unseren Farben zu bleiben: Unterscheidet sich die jetzige Farbe des Netzwerks, von der Farbe zur Zeit der Gründung?

WK: Das Geburtstagsvideo hat es gezeigt: Das Netzwerk ist facettenreich, bunt und macht große Lust auf das gemeinsame Weiterarbeiten.

AT: Wie schon gesagt, wir sind im letzten Jahr bunter geworden, jede:r neue Akteur:in bringt neue Erfahrungen, Perspektiven, Netzwerke mit. Ich wünschte, es würde uns gelingen, noch mehr “people of colour”, noch mehr Akteur:innen aus den Kitas, Schulen und anderen kulturpädagogischen Einrichtungen und auch noch mehr Eltern für unser Netzwerk zu gewinnen.

NK: Auch mich hat das Geburtstagsvideo richtig beeindruckt und gezeigt, dass die Gründung kein einmaliges Leuchtfeuer war. Vor einem Jahr kannte ich alle Mitwirkenden mehr oder weniger persönlich. Ein Jahr später sind so viele tolle Personen und Institutionen hinzugekommen, die scheinbar mühelos Anschluss finden und die Arbeit extrem schnell bereichern.

Wo seht ihr Entwicklungspotential, in welchen Bereichen kann sich das Netzwerk selbst noch verbessern?

JT: Unmittelbar nach dem Kick-off ins Digitale zu wechseln war herausfordernd – vor allem für unser tolles Programmbüro – hat aber sehr gut funktioniert. Wo ein Wille ist ein Weg. Zudem kamen die vielen Ideen der kreativen Beteiligten sowie ihr Engagement.

Was uns fehlt? Ressourcen! Zeit, Geld und (wo)menpower – Ideen und Inhalte haben wir genug, wir müssen es nur schaffen, diese auch umzusetzen. Dafür ist eine funktionierende Infrastruktur unabdingbar. Wir brauchen weitere finanzielle Unterstützung, um die Arbeit im Programmbüro nachhaltig zu sichern.

NK: Es wäre toll, wenn wir einfach sagen könnten: Das war es, wir werden nicht mehr gebraucht. Das Gegenteil ist der Fall. Solange das Thema frühkindliche kulturelle Bildung noch nicht die Aufmerksamkeit und Unterstützung hat, die es braucht, muss sich das Netzwerk weiterentwickeln und immer besser werden.

Konkret sehe ich als unsere Aufgabe, noch mehr strategisch zu agieren, um bald mit unserer geballten Expertise wahrgenommen und zurate gezogen zu werden.

Zum Schluss, würde ich gerne noch mal auf die Farben zurückkommen: Welche Farbe wünscht ihr dem Netzwerk für die Zukunft?

WK: Ich wünsche mir weiterhin ein buntes Netzwerk, was themenabhängig auch immer wieder weiße Blätter aufmacht, um immer wieder neu gemeinsam denken zu können.

TK: Als Cinephile aus einer Filmerbe-Einrichtung mag ich schwarz-weiß, aber auch Agfacolor. Die Farbe ist in Sachen Zukunft für mich zweitrangig – es muss uns gelingen, dem Netzwerk eine solide Infrastruktur für die Zukunft zu bauen. Aber da wir sehr viel leidenschaftliche und kluge Menschen mit einem echten Anliegen sind, bin ich guten Mutes, dass wir die Politik und potenzielle Förderer auch überzeugen können.

AT: Noch bunter – wie ich schon beschrieben.

NK: Rot als Signal für die wichtige Aufgabe, blau für die Visionen, grün für das schon Erreichte und richtig bunt für die Menschen, die das Netzwerk noch bereichern werden.

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…. für Teil I des Gesprächs und für Teil II des Gesprächs.