Bevor wir erfahren, wer Du bist und was Du machst, möchten wir Dich fragen: Welche Adjektive fallen Dir ein, wenn Du an frühkindliche kulturelle Bildung denkst?
weltoffen, fantasieanregend, neugierig, kommunikativ
Und nun freuen wir uns über ein paar Worte über Dich selbst: Wer bist Du? Was machst Du?
Ich bin Geschäftsführerin beim Bundesverband Jugend und Film e.V. (BJF). Wir setzen uns dafür ein, dass alle Kinder und Jugendliche die Chance bekommen, Filme in der KiTa, im Verein oder der Schule gemeinsam zu sichten und sich darüber auszutauschen. Zu meiner Arbeit gehört daher, (pädagogisch) wertvolle Filme auszuwählen, mit Arbeitsblättern auszustatten und Filmvermittler:innen, Pädagog:innen oder Initiativen zur Verfügung zu stellen. Auch organisieren wir selbst Workshops, bei denen junge Menschen Filme sehen oder selbst drehen und darüber sprechen. Kurz gesagt ist unser Ziel: Kulturelle Bildung mit Film für alle und überall!
Was ist das Besondere an deiner Arbeit/ deinen Projekten?
Der Bundesverband Jugend und Film e.V. ist die zentrale Organisation der Kinder- und Jugendfilmarbeit in Deutschland. Durch vielfältige Aktivitäten fördern wir Filmbildung, Kreativität und Kommunikation, kulturelle Teilhabe und Medienkompetenz von jungen Menschen. Mit rund 500 Filmen im Verleih bietet die BJF-Clubfilmothek ein sorgfältig ausgewähltes Programm für Filmveranstaltungen in KiTa, Schulen, Kinder-, Kultur- und Bildungsarbeit. Die Filme sind ausgestattet mit pädagogischen Begleitmaterialien, angepasst an die jeweilige Altersgruppe.
Was ist Deine persönliche Motivation, Dich für frühkindliche kulturelle Bildung einzusetzen?
Kinder kommen heute schon früh in Kontakt mit Bewegtbild. Medienkompetenz sollte daher so früh wie möglich thematisiert werden. Der Film bietet hier einen niedrigschwelligen Zugang, Medien bewusst wahrzunehmen und kreativ zu nutzen. Durch Film und audiovisuelle Medien können Fantasie, Ausdrucksfähigkeit und kritisches Denken gefördert werden – was gibt es besseres, als das bereits den Jüngsten zu ermöglichen? Wichtig für mich persönlich ist dabei, dass wir Aushandlungsräume schaffen, in denen Kinder, Jugendliche, Menschen aller Altersgruppen untereinander in den Austausch treten können. Und je früher diese Orte genutzt werden, desto besser.
Zum Abschluss wollen wir einmal in die Zukunft schauen: Wie müsste eine Welt aussehen, in der unser Netzwerk nicht mehr benötigt wird?
Eine Welt, in der Netzwerke wie ihr keine Lobbyarbeit für frühkindliche kulturelle Bildung mehr leisten müsste, wäre eine Welt, in der kulturelle Bildung von Anfang an selbstverständlich Teil der Bildungssysteme ist. Politik, Bildungseinrichtungen und Gesellschaft würden den Wert von Film, Medien und künstlerischem Ausdruck für die Entwicklung von Kindern vollständig anerkennen und dauerhaft fördern. Alle Kinder hätten unabhängig von Herkunft oder finanziellen Möglichkeiten Zugang zu hochwertigen kulturellen Bildungsangeboten. In dieser Welt wäre Medien- und Kulturkompetenz so fest verankert, dass sie nicht mehr extra politisch eingefordert werden müsste. Lasst uns daher weiterhin in Netzwerken zusammenarbeiten, um noch mehr Sichtbarkeit für diese Ziele zu schaffen und diesen Stück für Stück näher zu kommen.
Gibt es eine besondere Begegnung oder ein Erlebnis aus deiner Arbeit, das dich besonders berührt oder geprägt hat?
Bei einer Filmvorführung von dem Kinder-Animationsfilm „Dounia und die Prinzessin von Aleppo“ ruft ein junges Mädchen nach dem Film „Das ist meine Geschichte!“ Bei dem Austausch zwischen den Kindern dazu konnten diese nochmal mehr verstehen, was eine Fluchterfahrung bedeutet und wie wertvoll es für alle war, darüber zu sprechen und Sichtbarkeit zu schaffen. Das ist genau das, was wir beim BJF als Ziel haben: Mit Filmen Fenster in fremde Welten öffnen, Repräsentation und Identifikation schaffen und zum Dialog anregen.

Leonie Reith
© Bundesverband Jugend und Film e.V.