Rückblick: Besuch von Dennis Haustein in der blu:boks Kita Wunderkinder
Eine Einladung vom Netzwerk, eine schnelle Zusage, ein angeregter Austausch im Zentrum des Geschehens. Frühkindliche kulturelle Bildung wird der Politik nähergebracht!
Am 11.02.26 besuchte der Berliner Angeordnete Dennis Haustein (CDU) die blu:boks KITA Wunderkinder in Berlin-Lichtenberg. Begleitet wurde er von Vertreterinnen des Netzwerks Frühkindliche Kulturelle Bildung sowie Kulturpartnerinnen. Isabel Feifel von TUKI Netzwerk und Vera Strobel vom Theater o.N. waren dabei – beide Institutionen sind uns ebenfalls gut bekannt aus dem Netzwerk!
Im Bezirk leben rund 13.000 Kinder in Armut, viele Familien sind nicht-deutscher Herkunft, teilweise bestehen nur wenige Deutschkenntnisse. Dennis Haustein weiß um die Herausforderungen in den Kiezen.
Im rechteckigen Gebäude mitten in Lichtenberg wird beispielhafte Arbeit geleistet. Diese wollten wir mit einer Einladung des Abgeordneten sichtbar machen.
Der Fokus der „Selbstwertmanufaktur blu:boks“ liegt auf künstlerischen Kompetenzen. Das dreiphasige Bildungskonzept begleitet Kinder und Jugendliche vom ersten Lebensjahr bis zur Volljährigkeit. In der Institution mit Strahlkraft sind Musik, Theater, Bewegung und kreative Gestaltung fest im Alltag verankert. Kinderparlament, Bühnenräume und ein offener Garten schaffen Platz zum Erkunden, Spielen und Mitbestimmen.
Eine der ersten Fragen von Dennis Haustein bei der Begrüßung war deshalb: „Ich kenne keine anderen vergleichbaren Angebote wie die der blu:boks in Berlin. Es ist einmalig, warum ist das nicht immer so, dass Kinder von Anfang an bis ins Jugendalter durch einen Ort begleitet werden?“
Der Besuch bot einen lebendigen Einblick in frühkindliche kulturelle Bildung als gelebte Praxis. Dennis Haustein ließ sich interessiert vom Alltag und den Herausforderungen einer kulturfokussierten Kita berichten.
Es folgte eine Führung durch die Kita: Räume, die nicht nur gestaltet, sondern tatsächlich belebt sind: Gemütlich, mit großen Fenstern und direktem Gartenzugang, voller Materialien, einer Bühne im Saal und im Garten, Orte zum Erkunden, Spielen und sich ausprobieren. Dennis Haustein berichtete von seiner eigenen Begeisterung für kreatives Gestalten in der Kindheit, die sogar freiwilliges Aufräumen des Bastelmaterials beinhaltete.
Im Anschluss begegnete der Abgeordnete dem Kinderparlament, das motiviert und neugierig Fragen vorbereitet hatte. Im Gespräch waren die Kinder zwar schüchtern, doch ihre Präsenz zeigte, wie ernst Partizipation hier genommen wird.
Im anschließenden Austausch mit Vertreterinnen der Kita, des Netzwerks FKB sowie den Kulturpartnerinnen aus TUKI und dem Theater o.N. wurde deutlich, wie konsequent kulturelle Bildung in der Kita Wunderkinder verankert ist. Musik, Theater, Bewegung und kreative Gestaltung gehören selbstverständlich zum Alltag. Künstler:innen arbeiten regelmäßig und als feste Teammitglieder mit den Kindern. Langfristige Kooperationen ermöglichen stabile, nachhaltige Bildungsprozesse.
Stimmen aus der Runde
- Dennis Haustein zeigte sich beeindruckt von der konsequent gelebten kulturellen Praxis und sprach von einem „Gesamtensemble“ der blu:boks, das Kinder über ihre gesamte Bildungsbiografie hinweg begleitet. Die Erkenntnis, dass kulturelle Angebote unter anderem alltagsintegrierte Sprachförderung ist, sollte seiner Ansicht nach stärker in politische Gremien getragen werden.
- Ilanit Weyrauch (blu:boks Kita Wunderkinder) beschrieb kulturelle Bildung als „absoluten Türöffner“ und betonte die Bedeutung der Elternarbeit, um Familien mitzunehmen und kulturelle Prozesse transparent zu machen.
- Marlies Herbrechtsmeier (blu:boks Kita Wunderkinder) hob die starke Fehlerkultur, das respektvolle Miteinander und die hohe Qualität von Pädagog:innen und Künstler:innen in ihrer gemeinsamen Arbeit hervor. Kinder nähmen diese Werte mit in ihre Familien und Schulen.
- Vertreterinnen von TUKI und Theater o.N. machten auf die Bedeutung langfristiger Finanzierung aufmerksam. Kulturelle Bildung brauche Kontinuität, Planungssicherheit und Räume für die benötigte künstlerische Qualität.
- Luisa Leppin (Netzwerk FKB) betonte die Notwendigkeit ressortübergreifender Zusammenarbeit: Frühkindliche kulturelle Bildung liegt an der Schnittstelle von Bildung, Kultur und Soziales und muss politisch entsprechend verankert werden.
Betont wurde außerdem, dass die starke Unsicherheit zu den zeitlich beschränkten Förderungen in diesem Arbeitsumfeld zu einer starken Abwanderung von Kompetenz und Know-how führt, da die Künstler:innen sich oft umorientieren und einen sichereren und besser bezahlten Arbeitsplatz suchen. Durch längerfristiges Zusammenarbeiten können sich sehr wertvolle Synergien zwischen Künstler:innen und blu:boks etablieren, wie bei TUKI als Kulturpartner. Das funktioniert aber nur bei einer planbaren Zusammenarbeit.
Zum Abschluss besuchte die Gruppe das Familiencafé, das alle zwei Wochen stattfindet. In einem einladenden Raum mit Waffelduft, Büchertisch und kreativen Impulsen erleben Eltern selbst, was kulturelle Bildung für ihre Kinder bedeutet. Das Café schafft niedrigschwellige Begegnungen, baut Sprachbarrieren ab und ermöglicht gemeinsames Tun. Das Familiencafé trägt maßgeblich dazu ein, um Familien inhaltlich und emotional mitzunehmen und kulturelle Prozesse transparent zu machen.
Haustein zeigte sich abschließend beeindruckt von der Haltung und Qualität der Arbeit vor Ort und hob hervor, wie sehr diese Form der Begleitung Kinder über ihre gesamte Bildungsbiografie hinweg stärkt. Für ihn war der Besuch zugleich ein persönlicher Erkenntnisgewinn und ein politischer Impuls. Er betonte, wie wertvoll es sei, die blu:boks‑Arbeit erstmals unmittelbar erlebt zu haben, und möchte dieses Verständnis künftig stärker in die Ausschussarbeit einbringen.
Themen, die ihm wichtig sind, ließen sich nur dann verteidigen, wenn ihre Bedeutung klar vermittelt werde – gerade in einem Umfeld, in dem nicht alle Kolleg:innen ein ausgeprägtes Interesse an Kultur mitbringen.
Wir hoffen, dass auch durch solche Praxis-Besuche die Bedeutung kultureller Bildung in politische Gremien stärker eingebracht werden kann und mehr politische Entscheidungsträger für bessere Rahmenbedingungen eintreten. Dafür gehen sowohl die blu:boks als auch das NFKB immer wieder mit der Politik ins Gespräch.
Wir danken Dennis Haustein für sein Interesse und den freundlichen, offenen Besuch im weiß-blauen Kubus in „seinem“ Lichtenberg und im Netzwerk FKB! Seine Aussage „Hier wäre ich gerne Kind gewesen“ bestätigt, dass kulturelle Bildung durch das eigene Erfahren von gelebter Praxis Verständnis und Bedeutung erhält.
Mehr Infos zur blu:boks gibt es im kürzlich erschienen RBB-Beitrag DER TAG in Berlin & Brandenburg: Vor Ort in Berlin-Lichtenberg: Blu:boks Selbstwertmanufaktur – hier anschauen und auf der Kita-Website blu:boks KITA Wunderkinder in Berlin-Lichtenberg.
Weitere Infos zu TUKI finden Sie hier und das Theater o.N. hier.
Alle Fotos im Beitrag stammen von Patrick Wallochny.