Mehr als Glitzer und Pappmaché

Mehr als Glitzer und Pappmaché
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Fishbowl-Diskussion auf der Bundeskonferenz Kommunales Bildungsmanagement: FKB als Schlüssel für mehr Bildungsgerechtigkeit

Wie kann frühkindliche Kulturelle Bildung dazu beitragen, Bildungsgerechtigkeit vor Ort nachhaltig zu stärken? Dieser Frage widmeten wir uns gemeinsam mit Vertreterinnen aus Praxis, Netzwerkarbeit und kommunaler Steuerung auf der Bundeskonferenz Kommunales Bildungsmanagement 2026 in Berlin.

Unter dem Konferenztitel „Gemeinsam für mehr Bildungsgerechtigkeit vor Ort“ diskutierten die Teilnehmenden darüber, welche Potenziale frühkindliche Kulturelle Bildung für gerechtere Bildungsbiografien bietet und welche strukturellen Voraussetzungen notwendig sind, damit erfolgreiche Ansätze nicht auf einzelne Projekte beschränkt bleiben. Gewählt wurde dafür das Fishbowl-Format, eine interaktive Diskussionsmethode für große Gruppen.

Bildungsgerechtigkeit beginnt vor der Schule

Im Mittelpunkt der Diskussion stand die gemeinsame Überzeugung, dass Bildungsgerechtigkeit bereits in den ersten Lebensjahren entscheidend geprägt wird. Aus unterschiedlichen Perspektiven brachten Luisa Leppin (Netzwerk FKB), Dr. Caroline Heuer (Kulturkita Hessen) und Teresa Krohn (Stabsbereich Kultur Kreis Stormarn) ihre Erfahrungen ein. Caroline Heuer berichtete aus den zehn Kulturkitas – und wie wichtig die kommunale Verankerung für nachhaltigen Erfolg kultureller Bildungspraxis ist. Teresa Krohn legte den Weg dar, den sie als Kommune gegangen sind: von der Etablierung eines Fördertopfes für Kultur und Kita, bis hin zum Aufbau eines breiten Netzwerkes. Dabei wurde deutlich: Die positiven Wirkungen frühkindlicher Kultureller Bildung sind vielerorts sichtbar, gleichzeitig erreichen die Angebote jedoch noch nicht alle Kinder gleichermaßen.

Luisa Leppin pointierte: „Weil ästhetisch-künstlerische Praxis an die kindliche Neugier anschließt und zum freien Experimentieren einlädt, schafft sie Erfahrungsräume zum Erkunden einer komplexen Welt, fördert Selbstvertrauen, Mut, Neugier, Kreativität und Flexibilität. Sie fördert das soziale Miteinander, vielfältige Ausdrucksweisen und gesellschaftliche Teilhabe.“

Gute Projekte allein reichen nicht aus

Eine zentrale Frage war außerdem, warum viele erfolgreiche Ansätze punktuell bleiben. Häufig entstehen Kooperationen zwischen Kitas, Künstler:innen und Kulturinstitutionen aus großem persönlichem Engagement einzelner Akteurinnen. Fehlen jedoch langfristige Strukturen, Ressourcen und politische Verankerung, bleiben Projekte oft zeitlich begrenzt und schwer übertragbar.

In der Diskussion wurde deutlich, dass viele erfolgreiche Ansätze frühkindlicher Kultureller Bildung noch immer von Einzelengagement abhängen. Genannt wurden unter anderem begrenzte finanzielle Ressourcen, fehlende Zuständigkeiten, personelle Engpässe sowie die Herausforderung, ressortübergreifende Zusammenarbeit dauerhaft zu etablieren. Gleichzeitig bestand Einigkeit darüber, dass FKB ihr Potenzial für mehr Bildungsgerechtigkeit besonders dann entfalten kann, wenn sie als eigenständiges kommunales Handlungsfeld strategisch verankert wird.

„Aus unserer Sicht ist deshalb entscheidend, kulturelle Bildung nicht als Zusatzangebot zu verstehen, sondern als Querschnittsaufgabe der frühen Bildung. Bildungsgerechtigkeit entsteht nicht durch einzelne Projekte, sondern durch verlässliche Strukturen, qualifizierte Fachkräfte, diskriminierungssensible Praxis und nachhaltige Kooperationen zwischen Kultur-, Bildungs- und Sozialbereich.“ fasste Luisa Leppin zusammen.

Als zentrale Gelingensbedingungen wurden langfristige politische Unterstützung, verbindliche Kooperationen zwischen Bildungs-, Kultur- und Sozialbereichen, stabile Netzwerk- und Koordinierungsstrukturen sowie ausreichend Zeit und Ressourcen für Fachkräfte benannt. Dabei kommt der Kommune eine wichtige Schnittstellenfunktion – zum einen in der Bereitstellung von Infrastruktur, zum anderen aber auch im Vernetzen der Akteur:innen, die oft nicht voneinander wissen.

Es zeigte sich mal wieder: Frühkindliche Kulturelle Bildung ist weit mehr als „Glitzer und Pappmaché“. Sie sollte als fester Bestandteil kommunaler Bildungslandschaften verstanden und strukturell gestärkt werden, um Bildungsgerechtigkeit nachhaltig zu fördern.

 

Die DKJS war durch die Anwesenheit mehrerer Kolleg:innen aus anderen Programmen stark vertreten. Wir haben also die Chance für ein Gruppenfoto genutzt!