Rückblick auf den Fachtag der Landesgruppe NRW des Netzwerks Frühkindliche Kulturelle Bildung
Am 22. Juni 2026 trafen sich Akteur:innen der frühkindlichen kulturellen Bildung aus ganz Nordrhein-Westfalen im Kollwitz Museum Köln zum Fachtag der Landesgruppe NRW des Netzwerks Frühkindliche Kulturelle Bildung. Inmitten der Sammlung bot das Museum einen inspirierenden Rahmen für Austausch, fachliche Impulse und die gemeinsame Weiterentwicklung des Diskurses rund um das Fokusthema „Potenziale frühkindlicher kultureller Bildung – lokal verankert“.
Den Auftakt bildeten Kurzimpulse von Prof. Dr. Michael Obermaier und Pauline Krogull. Im Mittelpunkt standen die Potenziale frühkindlicher kultureller Bildung sowie die Frage, unter welchen Bedingungen diese wirksam entfaltet werden können. Pauline Krogull gab zudem Einblicke in das Modellprojekt „Profilrelevante Kräfte in Kitas“ und verdeutlichte, wie wichtige Fachkräfte langfristig im System gehalten werden können.
Frühkindliche kulturelle Bildung als Gemeinschaftsaufgabe
Im anschließenden Podiumsgespräch diskutierten Andreas Bialas, Astrid Ippig, Björn Krüger, Michaela Stoffels, Prof. Dr. Michael Obermaier und Franziska Sörgel unter der Moderation von Dr. Rita Molzberger über die Bedeutung frühkindlicher kultureller Bildung, ihren Beitrag zu Chancengerechtigkeit und Demokratiebildung sowie bislang ungenutzte Potenziale.
Deutlich wurde dabei: Frühkindliche kulturelle Bildung kann nur gemeinsam gestaltet werden. Michaela Stoffels betonte die zentrale Rolle von Kooperationen und Bildungslandschaften. Eine einzelne Einrichtung könne die Aufgabe nicht allein tragen – gefragt seien sozialräumliche Vernetzung, dezernatsübergreifende Zusammenarbeit und eine strukturelle Verankerung kultureller Bildung vor Ort.
Björn Krüger verwies auf die besonderen Chancen frühkindlicher kultureller Bildung für mehr Chancengerechtigkeit: Orte wie Kitas erreichten Kinder aus allen gesellschaftlichen Milieus und böten damit einzigartige Möglichkeiten für Teilhabe.
Franziska Sörgel hob hervor, wie wichtig es sei, Angebote entlang der gesamten Bildungskette bereitzustellen, kulturelle Bildungsangebote in allen Stadtteilen zugänglich zu machen, zukünftige Bedarfe frühzeitig zu erkennen und kommunale Gesamtkonzepte zu entwickeln. Eine zentrale Frage lautete dabei: Wie gelingt es, aus zeitlich begrenzten Projektförderungen langfristige Strukturen entstehen zu lassen?
Andreas Bialas machte deutlich, dass kulturelle Bildung gerade in krisenhaften Zeiten wichtige Kompetenzen für Resilienz und Wandlungsfähigkeit stärkt. Kinder lernen, mit Veränderungen umzugehen und Zukunft aktiv mitzugestalten.
Astrid Ippig verwies auf die Bedeutung von Qualitätsstandards und verlässlichen Strukturen. Gleichzeitig brauche es Freiräume, Leidenschaft und Gestaltungswillen, um Menschen zu erreichen und kulturelle Bildung lebendig werden zu lassen.
Welche Schritte braucht es jetzt?
Zum Abschluss der Diskussion richtete sich der Blick nach vorn. Auf die Frage, welcher konkrete Schritt in den nächsten zwei Jahren gegangen werden sollte, um frühkindliche kulturelle Bildung nachhaltig zu stärken, fielen die Antworten vielfältig aus:
- Frühkindliche kulturelle Bildung dauerhaft verankern
- Förderprogramme ausbauen und sichern
- Bestehende Potenziale sichtbar machen und pflegen
- Eine stärkere gemeinsame Lobby schaffen
- Die frühe Kindheit politisch und gesellschaftlich ernster nehmen
- Ausreichende finanzielle Ressourcen bereitstellen
- Kinderrechte und kindgerechte Perspektiven stärker verankern
Austausch, Praxis und Perspektiven
Am Nachmittag öffnete das Kollwitz Museum seine Türen für Einblicke in die eigene Vermittlungsarbeit. Die Teilnehmenden lernten Methoden und Konzepte der frühkindlichen Kunstvermittlung kennen und erhielten Anregungen für die eigene Praxis.
In Workshops und Gesprächsgruppen wurden anschließend unterschiedliche Themen vertieft. Gemeinsam wurden Impulse für die Weiterentwicklung der Netzwerk-Keynote zur Gestaltung von Übergängen von Kita und Grundschule gesammelt, Beispiele guter Praxis ausgetauscht und neue Mitwirkende für die weitere Netzwerkarbeit gewonnen. Andere Gruppen entwickelten politische Strategien mit Blick auf die Landtagswahl 2027 oder beschäftigten sich mit der Frage, wie Kunst als soziale Praxis Ausstellungen für und mit Kindern verändern kann. Daneben boten Führungen durch die Ausstellung, Einblicke in interaktive Vermittlungsmethoden sowie ein Druckworkshop die Möglichkeit, kulturelle Bildung unmittelbar zu erleben und auszuprobieren.
Gemeinsam an einem Strang ziehen
Zum Abschluss des Tages wurde es noch einmal symbolisch: An einem gemeinsamen Strang wurden die Wünsche und Hoffnungen der Teilnehmenden für die Zukunft der frühkindlichen kulturellen Bildung befestigt. Das Bild machte deutlich, was den gesamten Fachtag geprägt hatte: Frühkindliche kulturelle Bildung entfaltet ihre Wirkung dort, wo Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen, sich vernetzen und langfristig für gute Rahmenbedingungen einsetzen.
Mit vielen neuen Impulsen, gestärkten Kontakten und konkreten Ideen für die weitere Arbeit endete ein inspirierender Fachtag, der gezeigt hat, wie groß das Potenzial frühkindlicher kultureller Bildung ist – wenn sie lokal verankert und gemeinsam gestaltet wird.
Alle Bilder in diesem Beitrag: © DKJS/Luisa Leppin